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Home > 207 Die Presse in Deutschland

DDR Presse

Lectures

 

Zeitungen in der Bundesrepublik Deutschland seit 1989

Presse in der DDR vor 1989

Die DDR entstand 1949 aus der sowjetisch besetzten Zone, der SBZ. Die Lizenzzeit glich der Zeit im Westen; die Sowjets vergaben Lizenzen eher an Parteien, wobei die KPD deutlich bevorzugt wurde. Es gab nur wenige überparteiliche Zeitungen und diese wurden auch bald eingestellt.

Es gab kein Pressegesetz in der DDR, Artikel 9 der Verfassung besagte, dass jeder seine Meinung frei äußern könne 'innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze'. 1968 wurde eine neue Verfassung verabschiedet und Artikel 27 versicherte:

Zitat 1:

1. 'Jeder Bürger der DDR hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfaßung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.

2. Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens werden gewährleistet.'

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob es auch in der DDR Pressefreiheit gegeben hätte, gibt es doch Parallelen mit Artikel 5 des Grundgesetzes der BRD. Doch wie sah die Praxis aus? Es gab entscheidende Unterschiede, wenn man sich ansieht, wie die Pressefreiheit in der DDR beschränkt wurde.

Presselenkung: siehe auch Purer/Raabe S.366.

a) Es gab keine Garantie auf Informationsfreiheit. Der staatlich gelenkte ADN (Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst) hatte die Verantwortung für die gesamte politische Berichterstattung in der DDR. Die Mitarbeiter waren zu parteilicher Information und Durchsetzung der Politik der SED verpflichtet. Die Dienste des ADN umfaßten tägliche In- und Auslandsdienste, Sonderbulletins, Fotos, Tageszusammenfassungen, Reportagedienst etc. . Die Hauptaufgabe des ADN bestand darin, 'Presse, Rudnfunk und Fernsehen in der DDR aktuell und parteilich in Wort und Bild über alle wichtigen und interessanten Ereignisse auf politischem, wirtschaftlichen, kulturellem, sportlichen und sonstigen Gebieten' zu unterrichten. Der ADN lieferte Nachrichten und Kommentare für das gesamte Mediennetz der DDR. Die Tageszeitungen mußten nach marxistisch-leninistischen Gesichtspunkten geschrieben werden.

b) Die Presse in der DDR war lizenzpflichtig, d.h. alle Veröffentlichungen mußten vom Presseamt genehmigt werden, auch 1988 noch. Eine Lizenz konnte befristet oder unbefristet erteilt werden, wenn der Charakter der Zeitung den Gesetzen der DDR entsprach. Eine Lizenz konnte jederzeit wieder entzogen werden.

c) Als eine andere Form der Kontrolle und Presselenkung ist auch die Materialzuteilung wie Papier, Farbe, aber auch Satz- und Druckkapazitäten zu nennen. SED Zeitungen wurden hier natürlich bevorzugt.

Was für Publikationen gab es also in der DDR?

Auf den ersten Blick wirken die Zahlen beeindruckend:

siehe Pürer/Raabe, S. 377

1989 gab es 39 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 9 Mio. Exemplaren, 30 davon waren regionale, 8 überregionale und eine Boulevardzeitung, die BZ am Abend, die im Raum Berlin verbreitet wurde.

30 Wochenzeitschriften, ungefähr 500 Fachzeitschriften und ein paar Kirchenzeitschriften. Gesamtauflage : 30 Millionen Exemplare.

1989: Gesamtauflage der Tageszeitungen: 10 Millionen. D.h., ein Tageblatt kam auf etwa zwei Erwachsene ( in der alten BRD lag die Relation bei 1:3)

Die größte Auflagenhöhen hatten die SED Zeitungen, mit dem Flagschiff Neues Deutschland. Tägliche Auflage: über eine Million Exemplare. Die SED besaß 15 Zeitungen mit 218 Lokalausgaben:

(Außerdem 15 Bezirkszeitungen) wie 'Sächsische Zeitung', 'Leipziger Volkszeitung', 'Freiheit'. Sie erschienen in 14 Bezirken, hatten jedoch eigene Lokalseiten. Auflagenhöhe aller SED Zeitungen: 6 Millionen.

Aber auch andere Parteien produzierten überregionale Zeitungen:

CDU hatte 6 Zeitungen, wie z. B. 'Neue Zeit' (113 000),

LDPD hatte 5 Zeitungen, 'Der Morgen' (62 000),

NDPD hatte 6 Zeitungen, z. B. 'National Zeitung' (56 000, 1988).

Die CDU, LDPD und NDPD gaben auch Regionalzeitungen heraus. Alle Tageszeitungen zusammen erreichten jedoch nicht einmal die Auflage der FDJ Zeitung 'Junge Welt' (1,1 Mill).

Doch von Pluralismus kann also keine Rede sein, denn die 15 von der SED herausgegebenen Tageszeitungen (darunter Neues Deutschland und Berliner Zeitung) beanspruchen 6,6 Mio der Auflage. Rechnet man dann noch die Tageszeitungen dazu, die von der SED kontrollierten Massenorganisationen (Freien Deutschen Jugend - Junge Welt; Gewerkschaftsbund - Tribüne) hinzu, die ja auch noch eine Auflage von knapp 2 Mio hatten, bleiben den anderen Blockparteien (CDU, LDPD, NDPD) noch eine Gesamtauflage von 835 000 Exemplaren.

 

Wochenzeitungen in der DDR:

'Neue Deutsche Bauernzeitung' (1980 - 163000) SED

'Sonntag' (1981 - 19000) Kulturbund der DDR

'Wochenpost' (1981 - 1,2 Mill) war ein Massenblatt für die Familie, gegliedert in: politische DDR Umschau, Kultur mit Filmpremieren, Außenpolitik, Potrait der Woche, Anzeigen, DDR Fernsehprogramme, Briefwechsel, Heiratsanzeigen, Rätsel und Ratgeber.

'Für Dich', eine Zeitschrift für die Frau, Frauenthemen, politische Kommentare, Erziehungsprobleme, Roman, Mode, Ratgeber (1981 - 900000)

'FF-Dabei' Funk/Fernseh-Programm-Illustrierte, (1981 - 1,4 Mill)

Außerdem Zeitschriften der Parteien, Betriebszeitungen, Kirchenzeitungen.

Da alle Parteien den Statuten der SED folgten, waren alle Zeitungen sich ziemlich ähnlich. Zeitungen sollten Prestige der Regierung erhöhen, ohne kritischen Gegenpol. Sie waren nicht von Marktverhältnissen abhängig und nicht am Publikumsgeschmack orientiert. Die Medien hatten die als Hauptaufgabe, die Bürger im Sinne des Marxismus-Leninismus zu beeinflußen, nicht sie über Nachrichten zu informieren.

Die Monopolstellung des Nachrichtendienstes ADN war auch mitverantwortlich für die Eintönigkeit der Presse.

Zitat 3:

3. 'Wir drucken nicht prinzipienlos alles mögliche ab. Unsere Presse bringt, was der Masse des Volkes dient. Der Gegner kommt nur zu Wort, falls uns das dient.' (Journalistisches Handbuch der DDR, Leipzig, 1960, S. 193).

 

Die führende Rolle der SED war durch Sprache und Bild gesichert.

In der ehemaligen DDR:

An einigen Zeitungskiosken auch westliche Zeitungen erhältlich, allerdings nur solche, die von kommunistischen Verlagen gedruckt werden, z.B. 'LHumanite', 'L'Unita' und 'UZ' DKP, BRD. Osteuropäische Publikationen, vor allem sowjetische in deutscher Sprache waren überall erhältlich.

Rundfunk und Fernsehen: beim Mauerfall von wichtiger Bedeutung. In vielen Gebieten außer dem Raum Dresden konnte man West-Fernsehen empfangen, man konnte die Tagesschau, Heute sehen, man wußte also, was in der Welt im allgemeinen.

 

Zeitungen in der Bundesrepublik Deutschland seit 1989

Presse nach der Wiedervereinigung:

Freiheit zu schreiben, was man wollte: 1989/90

Ein paar Wochen lang hatten die Journalisten die Freiheit, zu schreiben, was sie wollten, eine Freiheit, die im Rest der Welt kaum zu finden ist. Dieses kann man wohl als die aufregendste Zeit im Journalismus bezeichnen: aufregend, bunt, kurzatmig. Die Zensur fiel fort, auch die innerredaktionelle. Jedoch es sollte nicht lange währen: der wirtschaftliche Markt beeinflußte bald die Zeitungsausgaben.

1990/1991:

OHP: Ost-Deutsche lesen gerne. 77 % lesen häufig eine Illustrierte (West 62%), 43 % lesen häufig anspruchsvolle Bücher (West: 39 %), 91 % gaben an, häufig Zeitung zu lesen (West: 78%). 50 % würden gern mehr lesen (West: 35%), 35 % glauben, daß sie genug lesen (West: 50%) (Emnid/Spiegel Spezial 1991)

Die westdeutschen Zeitungsverlage kauften die Zeitungen der Blockparteien und Regionalzeitungen auf, und neue Zeitungen wurden gegründet.

Kauf und Verkauf: Die Treuhandanstalt

Die Treuhandanstalt spielte bei den Verkäufen eine Schlüsselrolle. Die Struktur des Zeitungsmarktes in den neuen Bundesländern entstanden nicht aus wirtschaftlichen Entscheidungen oder durch das sogenannte freie Spiel der Kräfte, sondern durch die Treuhand. Sie entschied über den Verkauf der ehemaligen SED Zeitungen.

Diese drei Aspekte traten als am wichtigsten hervor:

· Bei nur drei Verlagen der Besitz auf zwei Partner aufgeteilt.

· Auf westdeutscher Seite wurden nur Großverlage als Käufer ostdeutscher Verlage akzeptiert.

· Alle Zeitungsverlage wurden verkauft wie sie waren. Das bedeutet, daß die SED Bezirkszeitungen mit all ihren Ausgaben und mit ihrer Gesamtauflage verkauft wurde.

Zeitschriftenverlage: Bauer, Burda, Gruner+Jahr

Auch Zeitschriftenverlage, die bisher auf dem Zeitungsmarkt kaum aktiv waren wurden beim Kauf aktiv.

So kaufte der Bauer-Verlag die Volksstimme in Magdeburg, der Burda-Verlag die Schweriner Volkszeitung,

Gruner + Jahr ist jedoch der Gewinner. Er kaufte den Berliner Verlag und ihm gehört jetzt die Hälfte (andere Hälfte gehört Maxwell) der Berliner Zeitung, Berliner Kurier am Abend, Berliner Kurier am Morgen, Sächsische Zeitung in Dresden. Zudem wurden drei Ausgaben der Morgenpost für Mecklenburg, Chemnitz und Dresden aufgebaut (G+J verlegt die Hamburger Morgenpost).

Ende 1990 gab es in den neuen Bundesländern ungefähr 42 Titel mit einer Gesamtauflage von 8,2 Millionen Exemplaren; 6 überregionale Zeitungen hatten eine Auflage von 1,5 Millionen, 36 Regionalzeitungen 6,7 Millionen Exemplare. Außerdem wurden 25 Wochenzeitungen mit einer Auflage von 3,8 Millionen Exemplaren gedruckt. (Quelle: Becher, U., Kessler, M. 'Der Werbemarkt in Ostdeutschland' in Media Perspektiven,7,1991.)

1991 gab es weitere Amalgamationen, Käufe und Verkäufe, und dadurch nahm die Zahl der Titel fast wöchentlich ab.

Außer zweien verschwanden alle Titel der alten Publikationen. Der Morgen(LDPD), vom Springer Verlag aufgekauft, wurde Ende Juni 1991 eingestellt.

Obgleich die Auflagenzahl zurückging, kann man die ehemaligen Bezirkszeitungen der SED als das Lesematerial der DDR Bürger ansehen.

Auch kleinere Verlage beeilten sich, ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Dieses zeigte sich besonders in den kleineren, regionalen Zeitungen.

Die meisten dieser Zeitungen erschienen und erscheinen weiterhin unter dem alten Namen. Viele Neugründungen erweiterten das Angebot und die Leser konnten von einem reichhaltigen Angebot auswählen. Diese Vielzahl führte jedoch auch dazu, daß eine Anzahl von Zeitungen wieder eingestellt wurden.

 

Einstellungen von Zeitungen:

So z. B. Der Demokrat, Schwerin (FAZ).

Der Morgen, gesamte DDR, (Springer)

Märkische Union, Cottbus

Nachrichten, Rostock (Bauer)

Mitteldeutsche Neueste Nachrichten, Leipzig, Halle, Magdeburg

 

Beispiele für Neugründungen:

Mitteldeutscher Express, Halle (40 000, Express, Köln)

Berliner Kurier am Morgen (110 000, Gruner+Jahr/Maxwell)

Eisenacher Presse (1500, Oberhessische Presse)

Neue Wirtschaftszeitung (30 000, Tagesspiegel, Berlin)

 

Auf dem gesamten Gebiet der Bundesrepublik wurden auch viele neue Zeitungen und Zeitschriften gegründet. Hier muß man Focus nennen, das erste Nachrichtenmagazin, welches dem Spiegel Konkurrenz macht. Focus wird vom Burda-Verlag herausgebracht, ist eher konservativ orientiert. Bunt, kurze Artikel - Fast food im Journalismus? Die Woche ist auch eine neue Wochenzeitung, vom Die Woche Zeitungsverlag GmbH & Co KG herausgegeben. Eine weitere Wochenzeitung ist die Wochenpost, die aus der alten DDR Wochenpost hervorgegangen ist.

Es gibt noch viele andere Publikationen, wie z. B. Tango, oder letztes Jahr März/April sollten noch weitere 5 Frauenzeitschriften auf den Markt kommen.

Nochmal zurück zur ehemaligen DDR:

Probleme der DDR Journalisten:

In der DDR wurden ca 11 000 Journalisten beschäftigt. Der Ausbildungsgang war streng geregelt. Man mußte einen Hochschulabschluß haben, dann ein dreijähriges Studium gefolgt von einem Jahr Voluntariat in einer Redaktion. Zu den Pflichtfächern auf der Uni gehörte z. B. Theoretische Grundlagen des Journalismus, aber auch Marxismus/Leninismus und Zivilverteidigung. Daher ist es keine Überraschung, daß die meisten Journalisten den Anweisungen der Partei folgten. Man mußte jedoch nicht der SED angehören, um Journalist zu werden.

Die DDR-Presse zeichnete sich durch Glanzlosigkeit und quälende Langeweile aus. Doch auch in der DDR gab es Auswege, z. B. das satirische Magazin 'Eulenspiegel', strikt nach Moskauer Vorbild (Krokodil) nachgeahmt. Eulenspiegel brachte DDR kritisches in vorsichtiger Dosierung. Doch hauptsächlich versuchten die Journalisten, der Bevölkerung den Sozialismus vorzuführen. Meinung und Kommentar wurden nicht getrennt. Pressearbeit war ständige politische Überzeugungsarbeit, und genau besehen, boten die DDR Zeitungen nicht viel mehr als eine Anreihung von Leitartikeln.

'40 Jahre Nicht-Journalismus' gingen an den Journalisten nicht spurlos vorbei. Für viele war es schwierig, sich auf einen anderen Stil einzustellen.

Von den 11000 Journalisten sind inzwischen ein guter Teil entweder aus Altersgründen oder Altlastgründen entlassen worden. Die anderen kamen wieder unter. Im Prinzip gilt, daß die Verlage den Firmen aus dem Westen gehören, aber das die Kleinarbeit in den Redaktionen von den dortigen Journalisten ausgeführt wird. Einige DDR Journalisten wie Christop Dieckmann oder Jutta Voigt, machten auch im postkommunistischen Deutschland Karriere, 'Nur wer sich ändert, bleibt sich treu' sagte Wolf Biermann. Hat er damit eine Zeile geschaffen, die den Opportunismus rechtfertigt? Gibt's nur eine Moral: die eigene Karriere und den materiellen Erfolg?

Heute

DDR Bürger kaufen die alten Titel - anderer Geschmack?

Kurz nach der Wende kauften die DDR Bürger vor allem Zeitungen, z. B. praktische Ratgeber wie Auto- Wohn- und Heimwerker- Zeitschriften, und natürlich Erotik und Jugendzeitschriften, die es bei ihnen nicht gegeben hatte. Die anderen westlichen Zeitungen waren nicht gefragt, was natürlich auch mit den hohen Preisen zut tun haben könnte.

Am auffälligsten ist immer noch, daß die ehemaligen DDR Bürger die alten Titel kaufen, die vor der Wende existierten. Dieses macht sich vor allem in den Bezirkszeitungen der SED bemerkbar. Die Gründung neuer regionaler Zeitungen schlug meistens fehl. Die DDR Bürger scheinen eine andere Form des Journalismus zu bevorzugen, nämlich diesen distinktiven, gradlinigen no-nonsense Stil, der im Westen nicht gefragt ist. Die Berliner Zeitung ist ein Beispiel hierfür: die Auflagen in Ost-Berlin kontrastierten stark mit denen in West-Berlin, bis eine Werbekampagne dieses änderte.

Sprachstil

Eine Antwort auf die Frage, warum die alten Titel bevorzugt werden, könnte ein unterschiedlicher Sprachstil sein. Die DDR hatte ihre eigene Sprache, der Auszug aus Neues Deutschland zeigte dieses mehr oder weniger deutlich. - Ministerrat, volkseigene Betriebe etc. Das 'Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache' aus Ost-Berlin versah schon 1970 2500 Worte mit einem spezifischen Hinweis 'DDR' oder 'BRD'

So kauften DDR Bürger im HO oder in der Kaufhalle anstatt im Supermarkt. Im Restaurant wurde man plaziert, auf der Speisekarte gab es Goldbroiler statt Brathähnchen. Viele Wörter werden auch weiterhin in Presse und Fernsehen verwendet. So sprechen DDR Bürger von Zielstellung statt Zielsetzung, von territorial statt regional und Plast oder Plaste statt Plastik. Alles sofort zu ändern ist eine unheimliche Belastung. Und warum sollte man seine Sprache ändern wollen?

Konzentration in Ganz-Deutschland:

Ein großes Problem ist die hohe Konzentration auf dem Zeitungsmarkt, wie wir ja schon in der letzten Vorlesung gehört haben.

Sieben der zehn meistverkauften regionalen Tageszeitungen in Deutschland waren Ost-Titel. In der ehemaligen DDR selbst waren 90% der Verkäufe durch die 14 SED Zeitungen plus der Berliner Zeitung erreicht.

Auch auf dem Zeitschriftenmarkt zeichnet sich eine Konzentration ab. Von den 10 meistverkauften gehören 8 den 4 größten Verlagen West-Deutschlands. So sagte Beate Schneider (1992:434,Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover) 'Zweieinhalb Jahre nach Beginn des Strukturwandels ist die Presse noch stärker als in der früheren DDR hochgradig konzentriert'.

Eine einfache Statistik:

In der DDR gab es 39 Tageszeitungen, heute gibt es nur noch 29. Obwohl die Bürger jetzt westliche Zeitungen kaufen können, bleibt die Tatsache, daß sie dieses nicht in dem Ausmaß tun, wie es erwartet wurde, und sie ihren alten Zeitungen treu geblieben sind.

Auch für die gesamte BRD muß man von erhöhter Konzentration sprechen. Gab es 1991 noch 410 Verlagsbetriebe, die Tageszeitungen herausgaben, waren es 1993 nur noch 385. Gab es 1991 noch 158 publizistische Einheiten, waren es 1993 nur noch 137. Die Zahl der Einzeitungskreise ist jedoch von 160 im Jahre 1989 auf 299 im Jahre 1993 angestiegen, d.h. daß 30 Millionen Bundesbürger (38%) in einem Ein-Zeitungs-Kreis wohnen! (Schütz, W. Deutsche Tagespresse 1993. in Media Perspektiven H. 4/1994. S.174ff).

Kann diese kleinere Anzahl von Zeitungen wirklich die öffentliche Pflicht der freien Meinungsäußerungen wirklich erfüllen?

 

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